Auf Luthers Spuren mit der Saaleschule

  • Strecke: 36.5 km
  • Dauer: ca. 8h
  • Beschaffenheit: Straße, Feldweg
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  • Autor(en): Saaleschule Halle, 9. Klasse, Religionskurs

Von Wolferode aus fuhren wir – Schüler der neunten Klasse, des Religionskurses der Saaleschule – mit dem Fahrrad über die Grunddörfer zunächst nach Klostermansfeld und von da aus zum Schloss Mansfeld, wo wir der Geschichte des Ortes auf den Grund gegangen sind. Von dort aus unternahmen wir eine Exkursion nach Vaterrode, besuchten die hiesige Kirche und fuhren danach über die Rabenkuppe zum Humboldtschloss in Hettstedt. Auf dem Rückweg  schlugen wir den Weg über Klostermansfeld, Benndorf und Helbra nach Wolferode ein.

Unseren ersten Stopp machen wir am Zirkelschacht. Von der Hale aus hat man einen tollen Ausblick auf beispielsweise den Petersberg und bei gutem Wetter auch auf dem Brocken. Diese langgestreckte Halde, die Teil des Zirkelschachtes ist, in dem Kupferschiefer abgebaut wurde, befindet sich zwischen Klostermansfeld und dem Ernst-Thälmann-Schacht. Der Name geht auf den Leipziger Prof. Dr. Ferdinand Zirkel (1838-1912) zurück. Auf der Halde findet man typische Schwermetallgewächse wie z.B. das Kupferblümchen, welches mit dem hohen Anteil an Kupfer, Blei und Zink im Untergrund zurechtkommt. Der Schacht des Kupferbergwerkes wurde in den Jahren 1891 bis 1895 insgesamt 495 Meter in die Tiefe getrieben. Im Jahre 1927 wurde der Zirkelschacht als Opfer der Weltwirtschaftskrise eingestellt und die gesamte Förderung vom Ernst-Thälmann-Schacht übernommen. Nach unserem Halt am Zirkelschacht fuhren wir mit unseren Rädern in Richtung Schloss Mansfeld.

Eine schmale Straße führt durch den Wald zum Schloss hinauf. Nach etwa einer Viertelstunde Fußweg beziehungsweise fünf Minuten Fahrradfahrt ist man am Schloss angekommen. Am Ende einer kurzen Brücke ist ein Zweites Tor, welches in den Schlosshof führt. Ursprünglich befanden sich hier drei Schlösser von drei Grafen: Vorder-, Mittel- und Hinterort. Nach einem Brand 1509 wird die gesamte mittelalterliche  Burganlage zerstört. Das Schloss Vorderort wird neu errichtet und 1518 fertiggestellt.

In einer Ecke im Burghof entdeckten wir eine Frauenkopf aus Stein. Die Legende besagt, dass die Frau in jungen Jahren starb und ein Geheimnis mit ins Grab nahm. Es heißt, dass sie ihre Augen nur in der Silvesternacht, zu Vollmond öffnet. Ihre Augen blicken an den Ort an dem das Geheimnis vergraben liegt.

Wir starten den zweiten Tag unserer Entdeckungsreise an Luthers Elternhaus. Martin Luthers Eltern hießen ursprünglich Luder. Erst später lässt Martin seinen Namen in Luther – nach dem griechischen Wort “eleutheros” ( “Befreiter“, “frei“) ändern. 1484 zog Hans Luder mit seiner Familie von Eisleben nach Mansfeld. Er erwarb dort das Haus gegenüber dem Gasthof “Zum Goldenen Ring” in der heutigen Lutherstraße. Martin Luder wohnte dort mit seinen Eltern, Geschwistern und der Großmutter Margarethe auf einem Vierseitenhof. 1805 wurde der Mittelteil des Hauses abgerissen. Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts befand sich eine Diakonissenstation in Luthers Elternhaus. Eine Bewohnerin war die Diakonisse Berta Israel, die von 1952 bis 1977 als Gemeindeschwester in Mansfeld tätig war. 1998 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Mansfeld ernannt. Seit 1936 betreuten die Diakonissen im Elternhaus auch Räumlichkeiten unter dem Dach als Museum. In den vergangenen Jahrhunderten wurden am Elternhaus immer wieder Veränderungen vorgenommen, Teile abgerissen, neu gebaut oder modernisiert. Am 14. Juni 2014 wurde gegenüber des Elternhauses ein neues modernes Museum eröffnet. Im Jahr 2003 wurden am Elternhaus Grabungen durchgeführt, bei denen Archäologen Kellergewölbe und Reste eines Abfallhaufens freilegten – eine wahre Fundgrube. Die vielen Kleinfunde von Tierknochen, Teile von Küchengeschirr und Spielzeug sowie Ziergegenstände wie Knöpfe und Schnallen zeugen vom Wohlstand der Familie Luther.

Im Anschluss besuchten wir die im 11. Jahrhundert erbaute Bonifatiuskirche in Vatterode. Einst soll schon Luther mit seiner Familie die Kirche besucht haben. In den Jahren zwischen 1493 und 1518 wurde die Kirche in Mansfeld neu aufgebaut. Für diesen Zeitraum wurden die Verwaltungsaufgaben der Mansfelder Kirche auf die Kirche in Vatterode übertragen. Auch als Kirchgänger werden Martin Luthers Eltern die Vatteröder Kirche aufgesucht haben. In den ersten Jahren des Kirchenneubaus war Martin Luther noch Schüler der Mansfelder Stadtschule. Und somit können wir davon ausgehen, dass der Sohn Martin Luther seine Eltern Sonntags zur Kirche begleitete.

Unsere Tour führt uns weiter zur Rabenkuppe, die sich zwischen Mansfeld und Vatterode befindet. Oben abgekommen legen wir eine Pause ein und genießen den Ausblick auf Vatterode. Die Anhöhe war einst eine Richtstätte. Vermeintliche Missetäter wurden hier, der harten Strafe des Räderns unterzogen. Raben machten sich laut Überlieferung anschließend über die so Hingerichteten her. So entstand der Name Rabenkuppe.

Unsere letzte Station ist Burgörner, ein Teil von Hettstedt. Hier befindet sich das Humboldtschloss (errichtet 1720) und ein Nachbau der ersten deutschen Dampfmaschine Wattscher Bauart. Das erste Mal wurde sie 1785 in Betrieb genommen und markierte den Beginn der industriellen Revolution.

Im Anschluss fuhren wir über Klostermansfeld, Benndorf und Helbra nach Wolferode und von da aus zurück nach Halle.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Schülerinnen und Schülern des Religionskurses der 9. Klasse der Saaleschule in Halle und ihrem Lehrer Herr Ott.