Des Mannes Feld

  • Strecke: 38 km
  • Dauer: ca. 48h
  • Beschaffenheit: Straße, Asphalt
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  • Autor(en): Saaleschule Halle, 9. Klasse Religionskurs

Von Wolferode fuhren wir – Schüler der neunten Klasse, des Religionskurses der Saaleschule – mit dem Fahrrad über Helbra zum Schloss Mansfeld, wo wir der Geschichte des Ortes auf den Grund gegangen sind. Von dort aus unternahmen wir einen Ausflug über Leimbach nach Vaterrode. Auf dem Rückweg  schlugen wir den Weg über Hergisdorf nach Wolferode ein.

Der Weg nach Helbra war aufgrund der Steigung sehr schweißtreibend. Jedoch wurden wir in Helbra belohnt, denn am Ortsausgang gibt es nicht nur das Bad Anna sondern auch ein Schwimmbad, das Neptunbad, welches wir für eine kurze Abkühlung nutzten.

Von Helbra ging es weiter über Benndorf und Klostermansfeld in Richtung Schloss. Auch der Schriftsteller Erich Neuß nutze diesen Weg und beschrieb in seinem Buch „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld / Im Herzen der Grafschaft“ den Weg wie folgt: „So kamen auch wir an einem schönen Junimorgen vom Klostermansfeld und sahen zunächst nichts von einem Schlosse, denn bis zum Hundekopf mit seinen unzähligen Schieferhalden steigt die Straße noch sacht an, und dann begrenzt eine ansehnliche Holzung den nahen Horizont vor uns“ (Halle 2001, S. 223).

Eine schmale Straße führt durch den Wald zum Schloss hinauf. Nach etwa einer Viertelstunde Fußweg beziehungsweise fünf Minuten Fahrradfahrt ist ein altes, eher kleineres Tor, als man es sich für ein Schloss vorstellt, zu sehen. Durchquert man dieses Schlosstor findet man sich auf einer Brücke, die den inneren Schlossgraben überquert, wieder. Am Ende dieser kurzen Brücke ist ein Zweites Tor, welches in den Schlosshof führt. Nun sind wir im Mansfelder Schloss angekommen.

Der Name Mansfeld entstand laut einer Sage von einem Ritter, dem Stammherr der Grafen von Mansfeld, der mit dem Kaiser eine Abmachung hatte. Man sagt, das der Ritter viele Schlachten gewann und daher vom Kaiser einen Wunsch frei hatte. Der Ritter wünschte sich ein Lehen und zwar das Land, welches er mit einem Scheffel Gerste bepflanzen konnte. Der Kaiser sagte zu. Der Ritter nahm daraufhin einen Sack, machte ein Loch hinein und stieg auf sein Pferd um einen großen Kreis um viele Dörfer zu machen. Der kaiserliche Rat aber versuchte den Kaiser zu überzeugen, dass der Ritter ihn betrogen hatte. Jedoch lachte der Kaiser und sagte: „Gesagt ist gesagt! Kaiserliches Wort muss wahr bleiben, wie man es auch deutet. Das ist des Mannes Feld!“ Daher wahrscheinlich der Name „Mansfeld“.

Auf dem Hof gingen wir geradeaus, bogen vor dem Schloss nach rechts ab und sahen einen Grundriss bzw. eine Mauer mit einem Torbogen vor uns. Dies sind die Überreste vom gemeinen Saal. Im Zuge der Erbteilung des Grafengeschlechts im Jahr 1501 gab es viele Streitereien innerhalb der Familie. Daher wurde als neutraler Ort auf dem Grundstück ein sogenannter gemeiner Saal errichtet.In diesem Saal wurden für alle Streitigkeiten Lösungen gesucht. Da diese nicht immer gefunden wurden, suchten sie Hilfe bei Martin Luther. Dieser half ihnen dann auch, wodurch bestätigt ist, dass Luther zu seinen Lebzeiten das Schloss besuchte.

Wir nahmen den Weg durch den Torbogen des gemeinen Saales und erblickten vor uns eine Mauer, die Bastion “Mine“. An dieser Mauer erfreuten wir uns an dem wundervollen Ausblick über Mansfeld und bemerken den dahinterliegenden Hügel, die Rabenkuppe. Im Jahre 1618 bis 1648 herrschte der 30-Jährige Krieg, in welchem die Burg mehrfach belagert wurde und sechs Mal den Besitzer wechselte. Eine halbe Ewigkeit stand das Heer der Schweden auf der Rabenkuppe, wo sie sich allerdings außerhalb der Reichweite der Kanonen und Hakenbüchsen-Schützen positioniert hatten. Sie selber konnten aber auch nicht angreifen, weil die Reichweite ihrer Waffen für einen Angriff der Burg nicht ausreichte und sie diese daher einfach jahrelang belagerten. Im Jahre 1639 wurde der Schlüssel zur Burg und das Anwesen an die Schweden abgegeben, weil diese die Versorgung der Grafen und umliegenden Stadtteile gekappt hatten und somit die Vorräte ausgingen. Dadurch gelangte Mansfeld und alle umliegenden Ländereien unter schwedisches Kommando. Jedoch wurde nach dem Krieg der Schlüssel zurückgegeben, nämlich an den Grafen Christian Friedrich, dem letzten Grafen der hinterortischen Linie. Fast alle anderen Linien waren bis dahin ausgestorben.

Nach dem Ausblick gingen wir zurück auf den Hof und liefen am Haupteingang des Schlosses vorbei. Dort weckte eine kleine Tür unsere Aufmerksamkeit. Dies ist der Eingang zu der vergleichsweise schlichten Kapelle, welche eines der ältesten Bestandteile auf dem Schlossgelände ist. Wir traten ein, schauten zunächst in einen dunklen, größeren Vorbereich, welcher von kunstvoll verzierten Holzbänken zu beiden Seiten ausgeschmückt wird. Sechs farbenfrohe und bildreiche Fenster sorgen für eine andächtige Stimmung. Die Kapelle ist zwar nicht besonders lang, dafür aber sehr hoch,  wodurch der Raum insgesamt sehr groß wirkt. Nachdem wir weiter hinein gegangen waren, gelangten wir zu einem schlichten, schmiedeeisernen Gitter, durch welches wir gehen mussten, um zum Altar zu gelangen. Auf ihm steht ein goldenes aber doch einfaches Kreuz. Darüber hängt ein detailreiches Altarbild, welches die Auferstehungsgeschichte Jesu beschreibt. Wer genauer hinschaut kann bemerken, dass sich der Maler Lukas Cranach ganze drei Mal verewigt hat. Auf dem linken Flügel als die Person, welche Jesus am Bein hält, in der Mitte ist er ein Soldat, welcher auf den gekreuzigten weist und auf dem rechten Flügel ist er ebenfalls ein Soldat, welcher euphorisch dem Auferstandenen hinter herzeigt. Der Maler wollte wahrscheinlich dadurch sein Glaubensbekenntnis zum Ausdruck bringen: Er wurde durch Jesus errettet, Jesus ist wirklich Gottes Sohn und Jesus ist wahrhaftig auferstanden.

Wir verließen die Kapelle und bewegten uns nach rechts durch einen weiteren Torbogen. Auch hier soll einst ein beeindruckendes Gebäude gestanden haben. Aber wie kam es dazu? Im Jahr 1260 wurde Mansfeld zum Stammsitz des Grafengeschlechts zu Mansfeld. Bereits im Jahr 1450 befand sich dort eine „mittelste Burg“. Aus dem Jahr 1495 ist aus einer Teilungsurkunde ersichtlich, dass die sechs Erben die Hinterlassenschaft teilten. Zu dieser Zeit gab es schon zwei Hauptschlösser: das „alte Haus“, der heutige Mittelort und das „hohe Haus“ der spätere Vorderort. Nachdem einer der sechs Erben starb, wurde das Grundstück 1501 in drei Teile unterteilt. Die Grafschaft entschied also, das Erbe auf drei Grafen aufzuteilen.  Da die bereits vorhandenen Räumlichkeiten zu eng waren, wurde auf dem Hinterort ein weiteres Schloss errichtet, so dass jeder von ihnen ein eigenes Schloss auf dem Berg bekam. Die Gebäude hießen nun Vorder-, Mittel- und Hinterort. Die Grafen waren sich bei einer Sache einig, nämlich bei dem Bau der scheinbar uneinnehmbaren, modernen Befestigungsanlage, um ihr Bedürfnis nach Sicherheit nachzukommen. Diese wurde über die Jahre immer wieder verbessert und ausgebaut, sodass sie im 16. Jahrhundert eine der stärksten Festungen Deutschlands war. Obwohl die Anlage auf Beschluss der Stände des Herzogtums Magdeburg im 17. Jahrhundert geschliffen wurde, ist sie heute noch sichtbar.

Am nächsten Tag, fuhren wir mit dem Fahrrad hinunter nach Mansfeld. Dort bogen wir nach rechts ab und fuhren in Richtung des Ortsteils Leimbach.

Auf dem Weg nach Leimbach fiel uns besonders das Viadukt auf – eine genietete Brücke von 200 m Länge und 19 m Höhe. Wir erkundeten uns bei einem Bewohner, der direkt unter dem Viadukt wohnt und erfuhren Folgendes: Das Viadukt das in der äußeren Mitte von Mansfeld steht, ist schon fast 100 Jahre alt. Früher diente es dazu Holz zu den Bergwerken zu bringen. Heut fährt dort die Wipperliese von Helbra aus nach Wippra im zwei Stundentakt.

Wir fuhren weiter geradeaus und bogen im Kreisverkehr nach rechts ab. In einer Seitenstraße erblickten wir ein zwar halb zerfallenes, aber trotzdem schön anzusehendes Haus. Genauer gesagt ist es ein „Verbund“ von drei kleinen Hütten, welche allesamt unter Denkmalschutz stehen. Früher waren sie ein Teil der Leimbachschen Schlossanlage. Seit dem das Haus nicht mehr bewohnt wird zerfällt es immer mehr, kann aber wegen des Denkmalschutzes auch nicht abgerissen werden.

Nachdem wir uns die alten Häuser angeschaut hatten, fuhren wir weiter durch den Ortsteil Leimbach bis nach Vatterode. Wir wollten dort die Bonifatiuskirche besuchen. Als wir im Ort waren mussten wir nur noch nach links fahren und einen sehr steilen Berg bezwingen und dann hatten wir es geschafft.

Von außen sah die Kirche sehr alt und schon zerfallen aus. Das es innen nicht so aussieht, konnten wir kurze Zeit später selber sehen. Über eine hölzerne Tür gelangten wir in das Kirchenschiff, welches im Vergleich zum Rest der Kirche noch sehr jung ist. Im alten Teil des Gebäudes, im jetzigen Chor mit dem Altar, wurden bereits im 11. Jhd. Gottesdienste gefeiert. Erst 1830 wurde das Kirchenschiff, welches man nun sehen kann, fertig gestellt. Die zwei Emporen, welche den Raum sehr ausfüllen, wurden aber erst zehn Jahre später eingebaut und prägen die Kirche dadurch, dass an dem Holz die gefallenen der Weltkriege aufgelistet sind. Wenn man nun eintritt, gelangt man in den durch die barocken Fenster hell erleuchteten Raum, in welchem viele Bänke aufgestellt sind. Der Blick, welcher gerade noch auf den Sitzmöglichkeiten gehangen hatte, wird nun von dem kunstvoll verzierten Altar angezogen. Dadurch, dass der gesamte restliche Chor so schlicht ist, zieht dieses Kunstwerk alle Blicke auf sich. Er ist ebenfalls barock gehalten und wirkt mit seinen goldenen Verziehrungen sehr prunkvoll. In der Mitte ist ein Hohlraum in dem ein schlichtes Kreuz steht an dem eine Jesusfigur hängt. Dreht man sich um und geht wieder in Richtung Ausgang, kann man ein weiteres Detail in der Kirche betrachten: die Orgel. Im Vergleich zu anderen ihrer Art ist sie klein und mit nur wenigen goldenen Elementen recht schlicht. Spielen kann man darauf leider nicht mehr, da die Tastatur in keinem guten Zustand ist, trotzdem fügt sie sich in das Gesamtbild sehr gut ein. Am Ende der zweiten Impore ist eine kleine Tür. Wir durften die Tür öffnen und drei Personen gingen die steile Treppe die zu den Glocken führt hoch. Oben bei den Glocken hatten wir kaum Platz. Links befindet sich ein kleines Fenster, wo man über den ganzen Ort sehen kann.

Von Vatterode aus nahmen wir nun den Weg über die Rabenkuppe zurück nach Mansfeld und dann den steilen Weg bergauf zum Schloss.

Am Ende unserer Tour mussten wir wieder zurück nach Wolferode, um mit dem Zug weiter nach Halle fahren zu können. Dieses Mal nahmen wir nicht den Weg über Helbra direkt nach Wimmelburg, sondern fuhren einen Umweg über die Grunddörfer. Wir hatten gehört, dass es in Hergisdorf am Eingang einer Kirche ein sehr altes Abbild von Luther gibt, welches wir uns anschauen wollten.

Wir fuhren mit dem Fahrrad von Ahlsdorf kommend nach Hergisdorf hinein. Auf der linken Seite gibt es eine kleine aber besondere Kirche – die St. Aegidius Kirche.Im Eingang der Kirche ist ein Abbild Luthers in Stein gemeißelt. Er hält eine Bibel in der Hand, auf welcher die Buchstaben „Dr. M“ zu erkennen sind. In den Oberen Ecken steht die Jahreszahl 1517. Als Bildunterschrift ist „S der Gemeinde zu Hergisdorf“ eingetragen. Im Siegel beziehungsweise Wappen sieht man das Lutherbildnis. Dies ist ein Zeichen des Dankes für den Lutherischen Vertrag, der im Jahre 1546 kurz vor seinem Tod beschlossen wurde. Dieser bestätigte die von dem Grafen Albrecht IV verliehenen Braurechte an die Neustadt Eisleben und Hergisdorf, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie ihr gebrautes Bier nur im eigenen Ort verkaufen konnten. Für die Hergisdorfer war dies aber besser als gar nicht brauen zu dürfen.

Luther setzte sich auch schon früher für die Bewohner von Hergisdorf ein, denn Graf Albrecht wollte den Inhabern der Hütten in seinem Bereich den Pachtvertrag kündigen. Es gab damals drei Hütten unterhalb und drei oberhalb von Hergisdorf. Die Kündigung wäre eher eine Enteignung gewesen, da er die Inhaber nicht entschädigten wollte. Luther setzte sich für die Inhaber ein und am Ende kam es auch hier zu einer Einigung.

Nach dem Besuch der Kirche fuhren wir nach Wimmelburg und kamen wieder in Wolferode an. Abschließend ein kleiner Tipp von uns: weniger sportliche Radfahrer sollten lieber den Hinweg über die Grunddörfer nehmen und auf dem Rückweg über Helbra fahren, da es dort dann bergab geht.

Das Luther Trip-Team dankt den Schülerinnen und Schülern der Saaleschule und dem Religionslehrer Herrn Ott für die Entwicklung dieser Tour sowie für ihre Ausdauer beim Fahrradfahren.